Privatdetektiv Easy Rawlins steht auf der falschen Seite des gefährlichsten Geheimnisses in der Stadt!
Es gab eine Zeit, da hatten zynische, abgebrühte
Detektive und mysteriöse, verführerische Frauen in düstere
und pessimistische Stimmung verbreitenden Filmen, wie The Big Sleep, Hochkonjunktur auf der Leinwand. Mit Polanskis Chinatown erreichte das Genre
des Film Noir in den Siebzigerjahren nochmals einen Höhepunkt,
bis es für viele Jahre in der Versenkung verschwand. Vor einigen Jahren
sorgte dann plötzlich eine Independent-Produktion namens One False Move
des bis dahin unbekannten Ex-Schauspielers und Regisseurs Carl Franklin
für erhebliches Aufsehen. Zumindest in den USA, denn hierzulande
fand der aussergewöhnliche Thriller leider keinen Verleih.
One False Move verpackte intelligente Elemente des klassischen Film Noir
in ein modernes Outfit. Man war deshalb besonders gespannt, wie
Franklin als Pionier des "Neo Film Noir" mit einer ganz klassischen
Detektivgeschichte zurechtkommt.
Devil in a Blue Dress spielt Ende der Vierzigerjahre im atmosphärischen South Central, dem Schwarzenghetto von Los Angeles. Easy Rawlins (Denzel Wahsington), ein Kriegsveteran aus dem Zweiten Weltkrieg, hat soeben seinen Job als Flugzeugmechaniker verloren. Er braucht Geld, um seine Hypothek bezahlen zu können, also kommt ihm jede Verdienstmöglichkeit gelegen. Er zögert auch nicht, als ihm von einem zwielichtigen Weissen (Tom Sizemore) viel Geld angeboten wird. Easy soll eine mysteriöse weisse Frau (Jennifer Beals) finden, die angeblich die Gesellschaft von schwarzen Männern pflegt und durch eine Vorliebe für blaue Roben auffällt. Easy denkt sich nicht viel dabei, kennt er doch seinen pulsierenden Stadtteil wie seine Westentasche. Nie hätte er geahnt, in welche Schwierigkeiten ihn dieser Job manövrieren könnte. Korrupte Politiker, schiessfreudige Kriminelle und dubiose Gestalten, die auch vor Mord und Erpressung nicht zurückschrecken, zwingen ihn, in die Fussstapfen von Philip Marlowe und Jack Gittis zu treten und zu einem richtigen Detektiv zu werden...
Mit Devil in a Blue Dress gelingt es Franklin hervorragend, die Stimmung im boomenden Nachkriegs-L.A. herüberzubringen. Mit akribischer Detailgenauigkeit rekonstruiert er die ambivalente Stimmung zwischen der euphorischen Stimmung in den verrauchten "blues clubs" und der Kälte der Unterwelt. Denzel Washington spielt den anfänglich naiven, aber zunehmenden gerisseneren Easy mit erstaunlichem schauspielerischen Feingefühl. Doch noch überzeugender kommt Don Cheadles Verkörperung von Easys unberechenbarem Partner Mouse daher. Enttäuschend eindimensional ist die Leistung der "Femme Fatale": In den Dialogszenen zwischen Jennifer Beals mit Denzel Washington kommt es nie richtig zum Knistern und auch auf eine Liebeszene wartet der Zuschauer vergeblich.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen preisgekrönten Roman von Walter Mosley. Im Drehbuch von Carl Franklin verliert die extrem komplexe Geschichte zwar erheblich an Vielschichtigkeit, gewinnt dafür ein gesundes Mass an trockenem Humor dazu. Devil in a Blue Dress zeichnet sich durch die "relaxte" Erzählweise aus, die schon Franklins frühere Filme (KIA - Inside the Enemy, One False Move) prägte. Lediglich der für einen Film Noir viel zu optimistische Schluss trübt den positiven Gesamteindruck eines stilistischen Meisterwerks.
Angaben zum Film
Bewertung: ****