"Fidel zu begraben heisst Kuba zu begraben." (Zitat Alea)
Erkennen Sie ihn? Den Macho mit dem Bart? Nein?
Dann schauen Sie noch einmal genauer hin: Es ist Jorge Perugorria, der Star aus Fresa Y Chocolate, der mit bewundernswerter Hingabe das Leid eines Homosexuellen in Kuba dargestellt hat, wie man es im Kino noch nicht gesehen hat. In Guantanamera allerdings, wo man viele andere Gesichter, die man aus dem vorhin erwähnten Film kennt, auftauchen, spielt ausgerechnet er einen Macho und Frauenverführer, den Lastwagenfahrer Ramon.
Ein Staffellauf der Leichenwagen
Kuba, heute.
Ein etwas ungewöhnlicher Leichenzug und ein Lastwagen sind auf derselben
Route - aus sehr verschiedenen Gründen. Die Trauernden - ein Staatsbeamter,
seine Frau Gina und ein alter Musiker, die grosse Jugendliebe der Verstorbenen
- versuchen verzweifelt, die neue staatlichen Bestimmungen für die
Überführung von Toten zu erfüllen. Denn bei der Bewältigung
der dauernden Treibstoffknappheit ist den kubanischen Behörden
keine Anstrengung zu gross, kein Gesetz zu abwegig. Das Beerdigungswesen
ist davon genauso betroffen: Es wird bestimmt, dass jedem
Beerdigungsunternehmer eine Treibstoffmenge zugesprochen wird, die sich
aus der durchschnittlichen Zahl der Beerdigungen der vergangenen fünf
Jahre errechnet. Schon hier ist ein Seitenhieb der Regisseure
Gutierrez Alea und Tabio auf die kommunistische
Planwirtschaft zu erkennen, es wird den ganzen Film andauern.
Weil Leichenwagen nur innerhalb ihres Distriktes operieren
dürfen, müssen Transporte über weite Strecken zu einem
regelrechten Staffellauf verkommen. Ein Staffelrennen mit Leichen!
Der Stratege hinter dieser Aktion ist Adolfo, Beerdigungsunternehmer
und selbsternanntes Organisationsgenie in der abgelegenen Gegend von
Guantanamo. Im ersten Moment erinnert es an Death and the Maiden,
ich denke da an den Politiker, aber man merkt bald, dass Adolfo sich
von seiner politischen Lösung bloss die Anerkennung Havannas
und das Ansehen seiner Mitbürger erhofft.
Er hat jedoch nicht damit gerechnet, seinen Plan so schnell -
und erst noch mit dem Leichnam eines Familienmitgliedes -
in die Tat umsetzen zu müssen...
"Diese Geschichte beruht auf Tatsachen. Wir haben den absurden Teil nicht etwa erfunden. Er ist Bestandteil unseres Alltags..." (Zitat Alea)
Die Fahrt durch Kuba, die für Adolfo und seine Frau Gina zu einer Reise
in eine neue Beziehung werden wird, läuft nicht ohne Probleme ab.
Die amourösen Abenteuer eines Fahrers halten die Trauerprozession ebenso
auf wie die schlechte Gewohnheit, bei jedem Halt Waren einzukaufen, die
für den Schwarzmarkt in Havanna bestimmt sind.
Zwangsläufig treffen Leichenzug und Lastwagen immer wieder aufeinander
und zwischen Gina und Mariano "funkt" es bald einmal...
GUANTANAMERA ist eine romantische Komödie, die nicht mit kleinen, liebevollen Seitenhieben gegen die Bürokratie des modernen Kuba geizt. Das gut aufeinander abgestimmte Team der Altmeister Tomas Gutierrez Alea und Juan Carlos Tabio, Oscar-nominiert für Fresa Y Chocolate macht Havanna zum Hollywood der feinen Politsatire.
Angaben zum Film
| ****½ | Robert Michl |
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