The Hi-Lo Country (1998)
Jessica Rabbit im Wilden Westen
Der Brite Stephen Frears drehte auf den Spuren von John Ford einen völlig harmlosen Western
von Sandra Walser
Der männerbündelnde Film hat's der Berliner Jury angetan: Regisseur Stephen Frears erhielt für «Hi-Lo Country» den Silbernen Bären. Zweifelsohne hat der Brite seine Schauspielerinnen und Schauspieler nuanciert in Szene gesetzt, als Gesamtprodukt jedoch überzeugt sein Film wenig. Zu harmlos reiht sich Einstellung an Einstellung: Klassisch quadrierte Schlägereien in verrauchten Bars, testosterongeladene Rodeos und ein Shoot-out auf trockenem Prärieboden - Bilder, die von John Ford («The Searchers», USA 1956) oder Sam Peckinpah («The Wild Bunch», USA 1962) stammen könnten. Frears' «Hi-Lo Country» hinterlässt denn auch den Eindruck, vor langer Zeit entstanden zu sein. Unser modernes und tempogeschultes Auge wird kaum gefordert, ja, es scheint, als sei es sogar unerwünscht. So schuf Frears einen zwar zeitgenössischen, jedoch einen in seiner maroden Form verbrauchten Western, eine gute Kopie, aber eben kein geistreiches Original.
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| Jessica Rabbit wiedergeboren?
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Ur-amerikanisch?
Über zwanzig Jahre lang versuchte sich auch Genregenie Peckinpah an Max Evans' Novelle «Hi-Lo Country» um zwei ungleiche Cowboys. Schauspieler wie Charlton Heston und Lee Marvin waren im Gespräch. Erst vierzehn Jahre nach Peckinpahs Tod aber sollte der Western auf die Leinwand gebracht werden - ausgerechnet von einem Europäer. Es ist denn auch deutlich zu spüren, dass sich der anerkannte britische Regisseur Frears, der uns Filme wie «My Beautiful Laundrette» (1986), «Dangerous Liaisons» (1988) und «The Snapper» (1993) bescherte, mit der Umsetzung des ur-amerikanischen Stoffes schwer tat. Nun buhlen vor den Kulissen einer Marlboro-Landschaft die Cowboys Pete Calder (Billy Crudup) und sein grossspuriger Freund Big Boy Matson (Woody Harrelson) um dieselbe Frau, Mona Birk (Patricia Arquette). Der gewissenhafte und ruhige Pete versucht sich nach und nach von der verheirateten Frau loszusagen, derweil sich der ständig grinsende Big Boy unverfroren mit Mona einlässt. Mannigfaltige Konflikte sind vorprogrammiert.
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Bar-Spielchen
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Machoides Umfeld
Während Crudup bloss schön vor sich hinleidet und mit seiner Darstellung als Pete nie jene traurig-klagende Tiefgründigkeit erreicht, die seine Erzählung verlangte, verkörpert Harrelson den letzten wahren Cowboy mit Herzblut. Er vereinigt alle Tugenden des traditionellen Wilden Westens in sich und darf als wandelnde Quintessenz männlichen Verhaltens zudem freizügig saufen, raufen und wild beischlafen - stets eine selbstgedrehte Zigarette schräg im Mundwinkel, versteht sich. Und wenn er nicht gerade qualmt, scheint's, als stopfte er sich frenetisch jedes kaubare Stück Ausstattung in den Mund. Es mag erstaunen, dass in diesem machoiden Umfeld zwei Frauen nachhaltig hervorzutreten vermögen. Patricia Arquette dürfte nach «Hi-Lo Country» nun endgültig als die Jessica Rabbit der 90er Jahre Filmgeschichte schreiben: als Mona, einer geheimnisvollen, dunkelhaarigen femme fatale übertrifft sie sogar ihre starke Charakterdarstellung in David Lynchs «Lost Highway». Schliesslich ist da noch Penelope Cruz, die weniger aufgrund ihrer Schauspielerei als ihrer kühnen Aussprüche wegen einen bestechenden Eindruck hinterlässt. Als Petes Ersatz-Freundin Josepha darf sie nämlich den wohl bedeutungsschwangersten Satz des Filmes aussprechen: «You're all stupid, horny cowboys!». Zeitverschwendung, nach treffenderen Worten zu suchen.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | The Hi-Lo Country (1998)
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| Land: | | USA
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| Genre: | | Drama
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| Regie: | | Stephen Frears
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| Drehbuch: | | Max Evans Walon Green
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| Produktion: | | Tim Bevan Barbara De Fina Eric Fellner Martin Scorsese
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| Koproduktion: | | Liza Chasin
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| Ausf. Prod.: | | Rudd Simmons
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| Kamera: | | Oliver Stapleton
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| Schnitt: | | Masahiro Hirakubo
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| Musik: | | Carter Burwell
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| Ausstattung: | | Patricia Norris
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| Kostüme: | | Patricia Norris
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| Besetzung: | | Patricia Arquette Darren E. Burrows Enrique Castillo Billy Crudup Penélope Cruz John Diehl Sam Elliott James Gammon Woody Harrelson Cole Hauser Katy Jurado Robert Knott Rosaleen Linehan Lane Smith (I) Jacob Vargas Willie Nelson
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| Länge: | | 114 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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| Ton: | | Dolby Digital
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| Prod.-firma: | | Working Title Films De Fina-Cappa PolyGram Filmed Entertainment
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| CH Verleih: | |
Monopole Pathé Films
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