Siddhartha (1973)
Die aussergewöhnlich schönen Bildfolgen vermögen nicht über die etwas langatmige und überstilisierte Adaption hinwegzutäuschen.
von Sandra Walser
Hermann Hesse hasste Verfilmungen poetischer Texte. So sind aufgrund einer testamentarischen Verfügung bis heute lediglich zwei seiner Werke für die Leinwand adaptiert worden: «Steppenwolf» (1974) und «Siddhartha». Letzteres kommt nun, 26 Jahre nach seiner Erstaufführung an den Filmfestspielen von Venedig (Silberner Löwe), erstmals in die Schweizer Kinos. Es ist die handlungskarge und mit Weisheiten dicht gefüllte Erzählung um den jungen indischen Adligen Siddhartha (Shashi Kapoor). Auf der Suche nach Weisheit verlässt er das Elternhaus und lernt von Wandermönchen die Meditation, das Fasten und die Entsagung - die spirituelle Erleuchtung allerdings erlangt er nicht. Vom Buddha erfährt der Jüngling schliesslich, dass Weisheit nicht mit Worten vermittelt werden kann. Ernüchtert stürzt sich Siddhartha in weltliche Freuden: er wird erfolgreicher Kaufmann und nimmt sich die schöne Kurtisane Kamala zur Geliebten. Doch auch der Wohlstand kann seine geistige Leere nicht aufheben.
AUSSERGEWÖHNLICHE BILDERBÖGEN
Regisseur Conrad Rooks entwarf zusammen mit seinem Kameramann Sven Nykvist, der zuvor hauptsächlich für Ingmar Bergmann gearbeitet hatte, einen aussergewöhnlichen, meditativen Bilderbogen. In den oftmals betörend schönen Aufnahmen widerspiegeln sich die wechselnden Seelenlagen der Filmfiguren: Um das Elternhaus glaubt man eine erdrückende Atmosphäre wahrnehmen zu können, die Liebesspiele sind in ein magisch anmutendes Licht- und Schattenspiel getaucht, während der Zeit des Reichtums glitzern überall prunkige und farbenfrohe Kleider - ein oberflächlicher Glanz.
OFT LANGWEILIG UND EINFALLSLOS
Was der Film auf der Bildebene verspricht, vermag die Dialog- und Handlungsebene jedoch nicht zu halten. Zu schwerfällig und zu überstilisiert dümpelt die Geschichte vor sich hin und auch die Schauspieler vermögen nicht über diese Schwächen hinwegzutäuschen. Mit oft überschwenglicher Gestik geben sie die aneinandergereihten Weisheiten von sich, als hätte man sie ihnen aufgezwungen. Schliesslich werden auch die spirituellen Höhepunkte dramaturgisch etwas unbeholfen dargestellt. Als Siddhartha beispielsweise dem Buddha begegnet, macht sich dieser einzig durch eine seltsam metallern hallende Stimme aus dem Nichts bemerkbar. Trotz all der Weisheiten: offenbar haben diese für eine geistreichere Umsetzung höherer Gewalt dann doch nicht mehr ausgereicht.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | Siddhartha (1973)
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| Land: | | USA
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| Genre: | | Drama
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| Bewertung: | |
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| Regie: | | Conrad Rooks
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| Drehbuch: | | Hermann Hesse Conrad Rooks
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| Kamera: | | Sven Nykvist
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| Musik: | | Hemant Kumar
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| Besetzung: | | Simi Garewal Pincho Kapoor Shashi Kapoor Romesh Shama Amrik Singh Zul Vellani
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| Länge: | | 85 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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| Prod.-firma: | | Lotus Film
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| CH Verleih: | |
Filmcooperative Zürich
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