Titanic (1997)
Der Rummel war so gross wie nie zuvor. Das Medieninteresse an James Camerons Disaster-Epos kam dem der Jungfernfahrt des stolzen Stahlpalastes gleich. Mag die See keine Erinnerungen haben, Cameron hat sie mit «Titanic» meisterhaft an die Oberfläche gehievt.
von Serge Zehnder
Wie oft hat man schon den Werbeaufhänger gehört: «Die spektakulärsten, ergreifendsten Szenen des Jahres». Superlative werden verschlissen, um potentielle Kinogänger zu mobilisieren. Dass es aber tatsächlich einen Film gibt, der diese Steigerungen verdient, ist heutzutage so gut wie unmöglich. Aber man geht ja ins Kino, um sich überraschen zu lassen. Wie schön absurd ist es dann auch noch, dass bei einem Film, über den schon im vornherein alles klar zu sein schien, die «Ooh»- und «Aah»-Erlebnisse stärker sind als bei allem, was einem in letzter Zeit so geboten wurde. Das Unternehmen des qualifizierten Action-Regisseures Cameron, die grösste Katastrophe dieses Jahrhunderts auf die Leinwand zu bringen, war schon in den Anfangsstadien von Vorwürfen des Grössenwahns geplagt. Nach fast zwei Jahren von Mutmassungen, Gerüchten und verzehrenden Dreharbeiten ist eine 192minütige Liebesgeschichte mit dramatisch-spektakulärem Ende herausgekommen. Und für eine kurze Zeit ist die Welt nicht mehr das, was sie war.
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| Die 101 jährige Rose (Gloria Stuart) begutachtet Artefakte ihrer Vergangenheit
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THE OLD WOMAN AND THE SEA
Da die Geschichte der Titanic ein Mythos ist, ist der Plot in einer entsprechend Märchenhaften «Es war einmal...»-Erzählform angelegt. Mit einer Gruppe von Schatzsuchern unter der Leitung des Amerikaners Brock Lovett (Bill Paxton), der mit einigen Russen auf dem Boden des Ozeans im Innern der Titanic einen Diamanten sucht, dabei aber das Bild einer jungen Frau findet, ist die gegenwärtige Rahmenhandlung gesetzt. Als sich kurz darauf eine alte Frau meldet und behauptet, sie sei die halbnackte Schönheit auf der Zeichnung, werden wir in die Vergangenheit transportiert. Durch die Augen der inzwischen hundertjährigen Rose (Gloria Stuart) werden jene schicksalhaften Tage aufgerollt. Damals noch eine versnobte und unglückliche High Society- Lady (Kate Winslet), war ihre Rückkehr in die Vereinigten Staaten eine Reise in den goldenen Käfig des Industrie-Magnaten Caledon Hockley (Billy Zane), mit dem sie den Bund fürs Leben schliessen sollte. Deprimiert und bereits zum Selbstmord fliegt ihr ein freier Paradiesvogel in Gestalt des (Lebens-) Künstlers Jack (Leonardo DiCaprio) zu. Eine heftige Romanze bahnt sich an, die Jack in dem Porträt verewigte, und das mit einem Eisberg voraus und einem zornigen Verlobten auf den Fersen.
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Die Lady (Winslet) und der Bohémien (DiCaprio) setzen sich über die Gesellschaft hinweg
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KLISCHIERT, ABER KLASSISCH
Besonders neu hört sich die Liebesgeschichte nicht an, und mit übertrieben starkem Willen zur Objektivität und genügend Zynismus lässt man sich von der Kraft der Titanic auch zu einer schlechten Kritik (wie das in den U.S.A der Fall war) hinreissen. Natürlich wird die Szenerie von Protz, Kitsch und Klischees beherrscht, gleichzeitig erhält man jedoch das Gefühl, tatsächlich an einem historisch monumentalen Ereignis teilzuhaben und lernt dabei die Arroganz seiner Konstrukteure und der «First Class»-Passagiere kennen, deren Gefühl von Unverwundbarkeit mit der Natur kollidierte. Tippt Cameron diese Themen nur an, und hält sich an die beiden Liebenden Winslet und DiCaprio, die er zu schauspielerischen Höchstleistungen animierte, liegt über der unheilschwangeren Atmosphäre auch ein kritischer Schleier, der den Menschen vor gottgleichen Kreaturen warnt. Das goldene Kalb in Form einer titanischen Konstruktion trat am 14. April 1912 vor seinen Schöpfer. Ein letzter Gang, der mit einer Perfektion nachgestellt wurde, die ihresgleichen sucht. Verständlich, dass bei soviel Tumult vor und hinter der Kamera auch jemand wie James Cameron die Übersicht verliert, und die Liebesgeschichte im Verlauf der Evakuierung in der Gleichgültigkeit zu versinken droht. Um so brillanter fängt er sie jedoch am Ende auf und setzt zu einem der emotional berührendsten Momente der letzten Jahre an, die man, obwohl überinszeniert, nach soviel tonnenschwerem Ballast nur mit Herzblut quittieren kann.
Kinoprogramme
Angaben zum Film
| Titel: | | Titanic (1997)
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| Land: | | USA
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| Genre: | | Liebesfilm
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| Regie: | | James Cameron
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| Drehbuch: | | James Cameron
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| Produktion: | | James Cameron Pamela Easley Jon Landau
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| Koproduktion: | | Al Giddings Grant Hill Sharon Mann
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| Ausf. Prod.: | | Rae Sanchini
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| Kamera: | | Russell Carpenter
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| Schnitt: | | Conrad Buff IV James Cameron Richard A. Harris
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| Musik: | | James Horner
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| Ausstattung: | | Peter Lamont
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| Kostüme: | | Deborah Lynn Scott
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| Besetzung: | | Kathy Bates Leonardo DiCaprio Jonathan Hyde Bill Paxton Kate Winslet Billy Zane
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| Länge: | | 194 Minuten
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| Negativ: | | 35 mm
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| Bild: | | 35 mm Scope (Farbe)
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| Prod.-firma: | | Lightstorm
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| CH Verleih: | |
20th Century Fox
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